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Artikel-Service des Hannoverschen Verbandes Landeskirchlicher Gemeinschaften 
 

 

Aktuell   Archiv

Neues Buch zum Händeljahr:
Wege zum Messias

 

 

 

 

Hartmut Bärend: In Christus zum Zeugnis berufen
Wege missionarischer Praxis entdecken

Dr. Burghard Krause: Grenzen überschreiten
Wie werden Gemeinschaften einladend?

AMD-Theologenkongresses in Leipzig

Wie gut kennt der Papst die evangelischen Kirchen?

 

 

Wege zum Messias

Pünktlich zum Händel-Gedenken (Georg Friedrich Händel 23.2.1685 - 14.4.1759) ist ein bemerkenswertes Buch zu dem weltweit bekanntesten und meistaufgeführten Werk des Komponisten unter dem Titel „Wege zum Messias" erschienen. Die Veröffentlichung, verfasst von einem 23köpfigen Team von namhaften Kennern und Interpreten, herausgegeben von den Musikpädagoginnen Dr. Annette Busch und Christa Merhof aus Hermannsburg, ist nicht nur ein Lesegenuss und eine Fundgrube für ein tieferes Verständnis des Händelschen „Messias", sondern darüber hinaus ein inhalts- und ideenreiches Hand- und Werkbuch für alle, die den Messias für sich hören oder mit anderen musizieren möchten.

 

 

 

 

Die hier dargebotenen Betrachtungen zu Musik und Texten der 52 Stücke des Oratoriums geben zudem wertvolle Anregungen für alle, die in der kirchlichen Mitarbeit bei Unterricht, Be­suchsdienst, Gruppenarbeit, Seelsorge und Andachten also auch bei Diensten außerhalb der Kirchgebäude mittun möchten. So gesehen liegt hier ein „christliches Lebensbuch" vor, spricht es doch in alle aktuellen menschlichen Bereiche und Themen hinein, wie Freud und Leid, Mitleid und Sinnsuche, Erwartung und Trost, Krankheit und Heilung, Geburt, Arbeit und Tod, Last und Jubel, Angst und Zuversicht. Es enthält eben so schlicht ergreifende wie anspruchsvoll weiterführende Texte, die auf ihre je eigene Weise überzeugende „Wege zum Messias" aufzeigen und öffnen können.

Das Buch zu Handels Messias ist wärmstens zu empfehlen. Es sollte in keiner kirchlichen Mitarbeiterbibliothek fehlen und ist ein toller Geschenk-Tipp. Ihm ist eine weite Verbreitung zu wünschen zu vielfachem und sinnvollem Genuss und Gebrauch. - Wilhelm Rothfüchs

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Mission und Evangelisation


"Mission & Evangelisation" – Referat von Prof. Dr. Eberhard Jüngel
Synode der EKD, 7. - 12. November 1999, Leipzig (ELM)
http://www.ekir.de/ekir/dokumente/Vortrag_E_Juengel_auf_EKD_Synode_1999.pdf

 

In Christus zum Zeugnis berufen – Wege missionarischer Praxis entdecken


Vortrag vor der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hannovers (November 1999)
von
Pfarrer Hartmut Bärend, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste, Berlin

Herr Präsident, hohe Synode!

Es ist mir eine Ehre und Freude, vor Ihnen zu stehen und zu Ihrem so wichtigen Synodalthema einen Beitrag leisten zu können. Ich erinnere mich dankbar meiner Jugendjahre in Aurich/Ostfriesland und dabei auch meiner Konfirmation in der Lambertikirche in Aurich. Ich gehöre zwar nicht zu Ihrer Landeskirche, Jedenfalls schon seit langem nicht mehr, aber es gibt viele Verbindungslinien über Jahre hinweg, unter anderem auch durch meine frühere Tätigkeit als Direktor der Arbeitsgemeinschaft MBK in Bad Salzuflen, und dafür bin ich von Herzen dankbar. So lassen Sie mich nun auf das Thema des heutigen Vormittags zu sprechen kommen, das ja lautet: "In Christus berufen - den Herausforderungen begegnen - Wege missionarischer Praxis entdecken."

Ich stehe hier nun als letzter in der Reihe, und es soll nun unweigerlich um Schritte der Praxis gehen. Dem will ich gern zu entsprechen versuchen. Allerdings kann ich nicht umhin, auch die Versuchungen einer solchen Praxissuche aufzuzeigen. Die haben viel mit unserem Thema zu tun. So beginne ich mit

I. Notwendige Vorklärungen

Wir stehen heute vor großen Herausforderungen, wir haben es gestern und nicht erst da deutlich wahrgenommen. Die Thematik Ihrer Landessynode zeigt ja, dass Sie die Herausforderungen sehen und darauf reagieren wollen. Zur Reaktion aber gehört, da sind wir uns sicher alle schnell einig, nicht nur und auch nicht zuerst die Suche nach gelingender Praxis, sondern zuerst eine Standortbestimmung, die Frage nach uns selbst und unserer Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen und sich ihnen zu stellen. Herausforderungen führen immer in eine Krise, und die hat mit neuer Entscheidung zu tun, mit Veränderung, ja sogar mit Verwandlung. Wer Praxis will, gelingende Praxis, ist nach seiner Bereitschaft gefragt, sich den Herausforderungen persönlich zu stellen und Veränderungen nicht nur verbal zu wollen, sondern sie auch existentiell zuzulassen. Solche Haltung ist heute gefragt, auf allen Ebenen kirchlichen Lebens. Praxissehnsucht und Praxisbemühung gehen ins Leere, wenn sie nicht einher gehen mit dem Willen nach eigener Veränderung. Zum anderen führt die Suche nach gelingender Praxis zu einer Rückbesinnung auf die Quellen, aus denen wir schöpfen. Dies sage ich besonders im Blick darauf, dass wir ja eine kirchliche Arbeit tun, eine dem Herrn der Kirche, Jesus Christus, dienende und von ihm gespeiste und getragene Arbeit. Ist die Herausforderung da, ist der erste Weg nicht der Ruf nach Praxis, sondern das Innehalten vor Ihm.
Immerhin haben die Jünger Jesu bei der Sturmstillung nach vergeblicher Praxis das einzig Richtige getan: sie haben Jesus geweckt, vorwurfsvoll zwar, aber doch im Wissen, dass ihnen ihre Praxis jetzt nicht oder nicht mehr hilft. Gott sei Dank ist ja auch das andere geschehen: Als die Jünger nach vergeblichem Fischfang nur noch frustriert waren, stand Jesus am Ufer und fragte sie: "Kinder, habt Ihr nichts zu essen?" Daraus entwickelte sich eine neue Perspektive; Praxismißerfolge wurden verwandelt in gelingende Praxis durch die Rückbeziehung und Neubesinnung auf den Herrn der Kirche, der neue Sendung ermöglichte. Gott sei Dank, dass Jesus Christus sich selbst zu uns auf den Weg macht, um uns vor Fehltritten, aber auch vor einer Bankrotterklärung und der damit verbundenen Frustration zu bewahren.

Was will ich damit praktisch sagen? Ich freue mich, dass diese Synode geistliche Akzente setzt, dass Gottes Wort und die Antwort darauf im Mittelpunkt steht. Denn nur so werden wir bewahrt vor atemloser Hektik und Betriebsamkeit, vor dem Haschen nach schnell wirksamen Modellen, die uns helfen sollen, auf unsere Herausforderungen geeignete Antworten zu finden. Ich wünsche Ihnen und uns, daß wir im Rahmen aller Bemühung um neue Praxis Anschluß suchen und finden an die lebendige Quelle, Christus selbst, der uns dann auch auf die richtigen Fährten führt. Dazu können Ihnen Ihre wundervollen Orte geistlichen Lebens helfen, die Sie im Hannoverschen Land haben, aber auch jede Gebetsgemeinschaft im Mitarbeiterkreis und jedes gottesdienstliche Geschehen am Sonntag oder auch zu anderen Zeiten.

II. Auf die Herausforderungen eingehen - Wege missionarischer Praxis entdecken

Wenn ich mich nun dem eigentlichen Thema zuwende, dann tue ich das immer noch vorsichtig, um Einverständnis bemüht, Zwischenfragen aufnehmend, kritische Anfragen nach Möglichkeit einbeziehend. Zu sensibel ist das Thema, als dass wir einfach so loslegen könnten und "Wege missionarischer Praxis" mehr oder weniger problemlos aufzeigen könnten. Was ich im folgenden entfalte, liegt teilweise immer noch im Vorfeld der Praxis, es kann aber Praxis ermöglichen helfen. So haben die ersten beiden Abschnitte dieses Hauptteils des Referats eröffnenden Charakter, die darauf folgenden drei Abschnitte nehmen dann Herausforderungen auf, um sie mit Praxismodellen und auch -vorschlägen zu verbinden. Die Entdeckungsreise kann ich aber niemandem ersparen; darauf komme ich am Schluss des Referats noch einmal zu sprechen.

        1. Mission als Aufgabe der ganzen Kirche

Gerade hat die EKD-Synode getagt und genau dieses in großer Einmütigkeit in ihrer Kundgebung zum Ausdruck gebracht: Mission in Deutschland, denn darauf bezog sich das Synodalthema, ist Sache der ganzen Kirche. Ich zitiere: "Von dieser Tagung der Synode geht das Signal aus: Die evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle." Und wenig später heißt es:

"Es hat eine Zeit gegeben, in der es den Anschein haben konnte, als sei die missionarische Orientierung das Markenzeichen nur einer einzelnen Strömung in unserer Kirche. Heute sagen wir gemeinsam: Weitergabe des Glaubens und Wachstum der Gemeinden sind unsere vordringliche Aufgabe, an dieser Stelle müssen die Kräfte konzentriert werden."
Was hier gesagt worden ist, halte ich für ein kirchengeschichtliches Wunder, für das viele gebetet haben, das aber so nicht zu erwarten gewesen war. Angekündigt hatte sich manches, auch schon im Vorbereitungsausschuss der Synode, in dem wir manche Auseinandersetzung geführt haben, die dann auf der Synode nicht mehr nötig war. Hervorragende Hilfen gab der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Kock, der in seinem Bericht schon deutlich in dieser Richtung geredet hatte. Gleichermaßen wichtig und hilfreich war die Bibelarbeit von Bischof Axel Noack; bahnbrechend war dann wohl das Referat von Prof. Eberhard Jüngel, der sehr deutlich zum Ausdruck brachte, dass "Evangelisation und Mission den Rhythmus des Herzens der Kirche in hohem Maße bestimmen". In seinem Referat findet sich der große Satz: "Wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche ist oder wieder wird, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung."
Alle diese Sätze waren verbunden mit den in der Tat notwendigen differenzierenden Äußerungen über den vielfachen Missbrauch der Mission in Vergangenheit und Gegenwart. Einen ganzen Abschnitt widmete E. Jüngel der "missverständlichen Praxis" und entfaltete Fehlwege der Evangelisation im Sinne von "Indoktrination", "religiöser Uniformierung" und "Transformation der reichen Individualität eines menschlichen Ich in ein stereotypes Es". Und dennoch: Jüngel ist darum bemüht, die Bedeutung und Funktion der Begriffe Mission und Evangelisation in ihrem ursprünglichen biblischen Sinn zurückzugewinnen:
"Wenn das gelingt, dann wird sich zeigen, dass durch recht verstandene Mission und Evangelisation schlechterdings kein Grau in Grau erzeugt werden kann, sondern ganz im Gegenteil jenes herrliche Farbenspiel entsteht, in dem sich die Gnade Gottes spiegelt." Warum ich das hier so herausstreiche? Weil ich Ihnen vermitteln möchte, was diese Synode bewegt hat und was für unsere ganze Kirche und damit auch für jede Landeskirche m.E. notwendige Aufgabe ist:
Eine Verständigung über Mission und Evangelisation, mit dem Ziel, zu einem "Zweckbündnis Evangelisation" zu kommen. Vielleicht ist dazu auch noch mehr das nötig, was auf der EKD-Synode quantitativ eher am Rande geschah und doch in seinem Gewicht nicht zu unterschätzen ist: Der Synodale Dr. Bukowski entschuldigte sich im Rahmen seiner Rede vor der Synode für seine bisherige Sicht evangelikaler Positionen. Dazu nahmen im Verlauf der weiteren Diskussion drei weitere Redner Stellung, der Synodale Teich, das Ratsmitglied Peter Hahne und ich als Mitglied des Vorbereitungsausschusses und haben ihrerseits um Entschuldigung gebeten für Entgleisungen und unberechtigte Verunglimpfungen in Bereichen evangelistisch-missionarischer Praxis. Diese Zeichen am Wege haben der Verständigung vielleicht noch mehr gedient als gute Papiere.
Denn das ist uns ja allen deutlich: Das Thema Mission und Evangelisation bleibt für viele ein Reizthema und ist behaftet mit einer Fülle von Vorurteilen und Verletzungen. Die Berichterstattung zeigt auch deutlich, dass sich manche evangelische Pressedienste schwer damit tun, dieses Thema hochzuhalten und das deutliche Signal wahrzunehmen und zu verstärken. Wir haben viel zu tun!
Wir haben aber keine Wahl und auch keine Zeit mehr! Zum einen ist und bleibt Mission und Evangelisation der primäre Auftrag Jesu Christi durch alle Zeiten hindurch und ist durch nichts zu ersetzen.
In der Schrift "Kirche mit Hoffnung" heißt es: "Kirche ist ohne Mission nicht zu denken. Sie würde sonst ihren Auftrag verfehlen, der ihren Dienst begründet." Zum anderen aber ist unsere Situation derzeit so krisenhaft und existentiell herausfordernd, dass es wichtig ist, die Grabenkämpfe zu beenden und mehr das Gemeinsame als das Trennende zu suchen. So beklagt der Ratsvorsitzende in seinem Bericht vor der EKD-Synode die Lage in unserem Lande: "Hier machen wir uns gegenseitig das Leben schwer - durch Abgrenzungen und Rechthaberei, durch konfessionalistische Engführung und durch Verteilung von Ketzerhüten, durch plakative Notsynoden und ähnliches." Mit Leidenschaft formuliert er: "Am Ende dieses Jahrtausends ist die Aufgabe einer verständlichen, einladenden und gewinnenden Verkündigung von höchster Wichtigkeit für unsere Kirche."

So lassen Sie uns aufbrechen zu neuen Ufern im Blick auf die Verständigung im Blick auf Mission und Evangelisation und gemeinsame Wege der missionarischen Praxis. Nur so kann es gelingen, daß eine ganze Kirche Veränderungen vollzieht, die sich dann auch wirklich an der Basis auswirken und die geistliche Erfrischung bringen, nach der wir uns alle so sehr sehnen.

        2. Permanente und kontingente Evangelisation, oder: Gegen die falschen Alternativen

Wenn ich jetzt auf die Praxis selbst zu sprechen komme, so ist es mir wichtig, ein Wort zur Verortung und zum Geschehen der Evangelisation zu sagen. Ich werde einige Modelle nennen, gewiss, und werde Ihnen einige Empfehlungen geben. Vieles von dem, was ich sage, finden Sie in dem Lesebuch wieder, das den Synodalen der EKD zugesandt worden ist und das ja zu meiner Freude auch in Ihre Hände gelangt ist. Wichtig ist mir aber eines besonders: Wir sollten von vornherein falsche Alternativen vermeiden. Viele denken bei Evangelisation an Zeltmission, an einzelne Evangelisten, die mehr oder weniger segensreich gewirkt haben oder an Projekte wie ProChrist. Sie sehen diesen Dienst als temporäre Spezialistenaufgabe, messen ihm auch durchaus Wichtigkeit bei, sehen aber nicht die Verbindung zur normalen Arbeit der Ortsgemeinde. So entstanden früher die Unsicherheiten, bald auch die Vorurteile und Verurteilungen: Der fremde Evangelist war der große Könner, der die Gemeinde einmal herumwirbelte, der kam und auch wieder ging und eine große Staubwolke hinter sich zurückließ. Die Pfarrer vor Ort hatten dann die kontinuierliche Arbeit weiter zu tun und sahen wenig, was sie im Gemeindealltag von dem übernehmen konnten, was in der Evangelisationswoche angesprochen worden war. Manchmal wollten sie auch nichts davon sehen, weil sie menschlich getroffen, vielleicht auch verletzt waren. Dieses Verständnis von Evangelisation ist überholt. Heute sehen wir den tiefen Zusammenhang von kontinuierlicher Evangelisation, die sich im Gemeindealltag vollzieht, wir nennen das permanente Evangelisation, und der kontingenten, d.h. der projektbezogenen, zeitlich begrenzten Evangelisation. Wenn das eine nicht auf das andere bezogen ist, entstehen meist dicke Probleme, die sich kaum lösen lassen. Im Lesebuch für die EKD-Synode haben wir, die wir für die Redaktion verantwortlich waren, diese Probleme zu vermeiden versucht. Sie werden gesehen haben, dass ein Abschnitt ausdrücklich die Überschrift trägt: "Die Gemeinde als Ort der Evangelisation". In diesem Abschnitt ist insbesondere der Teil "Angebote zur lebensgeschichtlichen Hinführung zum Glauben" für unser Thema wichtig. Hier sind die kontinuierlichen Gemeindeangebote zusammengestellt, die evangelistische Ausprägung und Wirkung haben. Sie stehen in deutlicher Verbindung zu den Projekt- und Kursangeboten, die davor aufgelistet werden. Damit Sie mich recht verstehen: Nicht alles, was im Gemeindealltag passiert, kann unter der Überschrift "missionarisch" laufen. Zu Recht heißt es im Votum der Arnoldshainer Konferenz zu diesem Thema: "Wo alles missionarisch ist, ist nichts missionarisch." Und in diesem Votum des Theologischen Ausschusses findet sich auch eine Beschreibung des missionarisch-evangelistischen Auftrages, die ich als sehr hilfreich für unser ganzes Thema finde: "Evangelisation meint eine Weise der kirchlichen Verkündigung, in der die Grundaussagen des Evangeliums mit dem Ziel ausgesprochen werden, dass Menschen zur Umkehr und zum Glauben an Jesus Christus kommen und die ersten Schritte der Nachfolge in diesem Glauben versuchen. Evangelisation kommt aus der Überzeugung, dass die "Gute Nachricht" für jeden Menschen lebensnotwendig, darum mitteilenswert und aller Annahme wert ist. Darum die Leidenschaft, die Unerreichten endlich zu erreichen, die Ahnungslosen verständlich und persönlich anzusprechen und die schon längst und immer wieder Angesprochenen wachzurütteln und zu einer konsequenten Beantwortung der Botschaft einzuladen."
Sie sehen: Nicht alles ist missionarisch, was in unserer Kirche regelmäßig zu tun ist. Aber vieles von dem, was im Gemeindealltag regelmäßig zu tun ist, ist missionarisch und evangelistisch; es ist nur noch nicht unter diesem Blickwinkel betrachtet und damit auch nicht so benannt worden. Lassen Sie uns also zusammenhalten, was zusammengehört, damit endlich zusammenwächst, was zusammenwachsen muss! Dann werden wir auch Evangelisation als vorrangige Aufgabe der ganzen Kirche eher annehmen und anpacken können. Evangelisation kommt aus der Spezialistenecke heraus, und damit auch aus dieser bestimmten Milieuecke, in die sie auch gar nicht gehört. Permanente und kontingente Evangelisation können sich bereichern und gegenseitig befruchten.

        3. Mitgliederschwund und Finanznot – eine missionarische Chance?

Der verstorbene Bischof der Berlin-Brandenburgischen Kirche, Kurt Scharf, hat einmal davon gesprochen, dass durch Mitgliederschwund und Finanznöte eine "Gesundschrumpfung der Kirche" zu erwarten sei. Diese Formulierung ist ihm damals sehr übel genommen worden, und ganz wörtlich ist sie sicher auch nicht zu nehmen. Aber sie hat doch auch ihren Wahrheitsgehalt. Jede Krise birgt in sich die Möglichkeit und Notwendigkeit des Innehaltens und der kritischen Reflexion darüber, ob der bisherige Weg richtig war und was künftig zu tun ist. Jedes Innehalten auf dem Wege hat schon an sich mit Gesundheit zu tun, und sei es nur von ferne: Der gehetzte kirchliche Funktionär erlaubt sich eine Pause und prüft seinen Weg. Wir sind m.E. an einer Stelle angelangt, wo diese Prüfung unumgänglich nötig ist, wo radikale Fragen erlaubt sein müssen und neue Wege, bisher noch nie gegangene Wege vorstellbar sein müssen. Wir haben es im Rahmen des Referats von Bischof Noack gehört, welchen Herausforderungen wir uns zu stellen haben. Neue Visionen sind gefragt, Innovation auf dem Boden gewachsener Tradition ist angesagt. Das bedeutet auch, dass Modelle und Projekte, die sich bereits bewährt haben, hier oder im Ausland, in die Überlegungen einbezogen werden müssen. Die Anglikanische Kirche in England hat in einem existenzbedrohenden Kontext vor etwa 15 Jahren das Modell "Church Planting" (Gemeindepflanzung) aufgegriffen und zu einem Programm der ganzen Kirche gemacht. Dieses Modell ist zunächst ein geistliches Geschehen, das Schritt für Schritt auch operative Züge bekommt.
Die Wahrnehmung , dass mehr und mehr Kirchenmitglieder ihre Kirche verlassen und dass es mehr und mehr Kirchenferne gibt, hat die Kirche damals veranlasst, genauer hinzuschauen und den jeweiligen Kirchen- bzw. Gemeindebezirk auf praktizierte Kirchenmitgliedschaft hin zu untersuchen. Konzentrierte sich der Wohnort der Gottesdienstbesucher auf Gegenden um die Kirche herum, wurde überlegt, wie die Menschen zu erreichen sind, die in weiterem Abstand davon wohnten. Hier ist dann in jahrelanger Kleinarbeit insbesondere durch Ehrenamtliche etwas geschaffen worden, was den Titel Gemeindepflanzung verdiente: Ein Team der Ortsgemeinde hat sich auf den Weg gemacht, um in einem Bezirk, der fernab von kirchlicher Einflussnahme stand, Gemeinde zu bauen, in enger Verbindung zur Muttergemeinde. Nicht Gemeindegründung ist hier die Losung, sondern Gemeindepflanzung, und das auf dem Boden der herkömmlichen Gemeinde. Und an erster Stelle stand nicht der Bau einer Kirche oder die Einsetzung eines hauptamtlichen Mitarbeiters; dazu hatte die Kirche kein Geld. Stattdessen aber waren da Ideen, und vor allem war da missionarische Leidenschaft und hohes persönliches Engagement. Die Menschen, die in die bisher kaum erreichten Gebiete kamen, zogen auch dorthin, mit allen Konsequenzen. Räume wurden angemietet, soziale Verantwortung wurde wahrgenommen, geistliche Zellen entstanden. Allmählich wuchs Gemeinde, und irgendwann war dann auch ein Hauptamtlicher da; aber alles lief anders als gewohnt und hat die Gemeinde sehr belebt. Eine andere Form war und ist das Gemeindepflanzungsprogramm im gleichen kirchlichen Raum: Hier wurden und werden hintereinander verschiedene gottesdienstliche Angebote gemacht für unterschiedliche Zielgruppen in der Gemeinde. Ich konnte mir über beide Wege des Church Planting – Programms vor Ort einen eigenen Eindruck verschaffen und bin tief beeindruckt von der Lebendigkeit, Natürlichkeit und dem Engagement. Und alles geschieht mit großer Achtung vor der gewachsenen Tradition, die niemand abschaffen will, sondern auf der weiter gebaut wird. Natürlich lässt sich so ein Programm nicht ohne weiteres übertragen. Und Londoner Verhältnisse sind denen in Hannover nicht gleichzusetzen, auch wenn beide Städte viel miteinander zu tun hatten. Aber der Mut, in fast aussichtsloser Lage der Kirche von England Neues zu wagen, die Inspiration, die von diesem Programm ausgeht, hat mich bewegt. Inzwischen, nachdem Erzbischof Carey dieses Programm selbst maßgeblich gefördert hat, ist es ein offizielles missionarisches Modell der Anglikanischen Kirche, hinter der die Hälfte aller Diözesen der Church of England steht.
Es würde uns gut tun, wenn wir uns in Wahrnehmung der gesamtkirchlichen Lage in dieser Weise verständigen würden und etwas Gemeinsames versuchen würden, das dann für eine ganze Kirche für einige Zeit jedenfalls bestimmend würde. Dazu gehört eine große Bereitschaft, sich auf einen gemeinsamen Prozess einzulassen und dabei die Einmütigkeit im Gebet und in der Praxis zu leben. Das wurde uns in England immer wieder gesagt: Das Projekt hängt ganz stark an der Einmütigkeit der Christen und an der Treue im Gebet.
Ein mehr "deutscher" Weg ist das bekannte Modell "Neu anfangen", das ja auch in Ihrer Kirche schon gelaufen ist. Die Erfahrungen damit sind gut und nach wie vor perspektivisch. Inzwischen ist "Neu anfangen" an 30 Stellen in Deutschland durchgeführt worden und hat ca. zwei Millionen Menschen erreicht. Die letzte Erfahrung war Potsdam: Dort sind 40000 Anrufe getätigt worden, und immerhin haben 15000 Menschen das Taschenbuch mit christlichen Zeugnissen haben wollen. Zwar sind nicht viele Menschen für den Gemeindealltag gewonnen worden, aber auch so liegen diese Zahlen über jeder statistischen Erwartung.
Es wäre auch falsch, von solchen Modellen zuviel zu erwarten. Ein Satz, den ich im Kontext der EKD-Synode mehrfach gehört und gelesen habe, bewegt mich in diesem Zusammenhang: "Die Leute haben die Kirche in Scharen verlassen; sie sind nur einzeln wieder für die Kirche zu gewinnen. Bemühen wir uns denn um die Einzelnen! Gott kann schenken, dass es einmal wieder eine flächendeckende Erweckung gibt, wie es im Hannoverschen Land mehrfach der Fall war. Solange das aber nicht geschieht, können und sollen wir uns freuen an der Wiedergewinnung der Einzelnen. Deshalb haben für mich Statistiken immer ihre Fragwürdigkeiten. Die Gesellschaft lebt von Siegertypen und Erfolgsmeldungen; wir als Christinnen und Christen leben von dem Herrn, die für alle gestorben ist und in dessen Nachfolge wir Frucht bringen, und die kann auch ganz unscheinbar sein. Das spricht nicht gegen den Satz aus der Kundgebung, daß es zum Wesen und Auftrag der Kirche gehört, dass sie wächst. Aber Wachstumsprozesse brauchen ihre Zeit.

        4. Mündige Gemeinde in missionarischer Verantwortung

Ich schiebe jetzt einen Abschnitt ein, der eine Art Schlüsselfunktion für alles bisherige und alles noch kommende hat. Die Anmerkungen zur Gemeindepflanzungsbewegung der Anglikanischen Kirche, zu "Neu anfangen" wie zu anderen Modellen, auf die ich noch zusprechen komme, haben zwei Grundvoraussetzungen, ohne die nichts geht: Das Gebet und die mündige Gemeinde. Vom Gebet war schon die Rede, der mündigen Gemeinde möchte ich mich jetzt kurz zuwenden. Ich denke, dass die Kirche der Zukunft eine Kirche sein wird, in der die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prägend sein werden und in der die Hauptamtlichen wesentlich die Aufgabe der Schulung und Begleitung haben. Die kontinuierliche Gemeindearbeit wird aber wesentlich getragen von einer großen Zahl mündiger Gemeindeglieder, die bereit sind, für einen abgegrenzten Zeitraum oder auch auf Dauer missionarische Verantwortung zu übernehmen.
In der Schrift "Kirche mit Hoffnung" sind alle diese Dinge schon angesprochen worden. Dort wird der Begriff "Beteiligungskirche" genannt und entfaltet: "Unter Beteiligungskirche verstehen wir, dass Kirchezunehmend daran erkennbar wird, dass nicht einige wenige, sondern möglichst viele zu ihrer Arbeit beitragen"(S.29). Und dann folgt auch der starke Satz: "Die Präsenz der Kirche am Ort entscheidet sich künftig weniger an der Residenz des Pfarrers als vielmehr an der Existenz der Gemeinde"(S.32). Und im Blick auf die engagierten Laien, die hier deutlich in den Mittelpunkt rücken, heißt es in dieser Schrift, dass sie sich nicht mehr "in der Rolle von Zuarbeitern, Handlangern oder Helferinnen vorfinden"(S.37) dürfen: "Nach den Richtlinien der Kirchen müsste es inzwischen selbstverständlich sein, dass freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur an der Ausführung der Aufgaben, sondern auch an der Planung und Verantwortung beteiligt werden"(S.38). Damit werden die Funktionen der Hauptamtlichen, insbesondere der Pfarrerinnen und Pfarrer nicht relativiert, sie werden aber konzentriert. Flexibilität und Mobilität werden künftig immer nötiger werden, und "zugespitzt und bildhaft gesprochen ist dann nicht so sehr der residierende Pfarrer als der reisende Apostel gefragt"(S.43). Ich verlasse die Schrift "Kirche mit Hoffnung", die ja von den leitenden Geistlichen der östlichen Gliedkirchen in Deutschland stark mitgeprägt worden ist und sage nur dies: Es ist gut, wenn wir uns auf künftige Entwicklungen vorbereiten. Und auf das Referatsthema direkt bezogen heißt das: Alle vorgestellten Modelle lassen sich nur verwirklichen mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Da liegt aber auch die Chance: Mission und Evangelisation dienen dann sozusagen sofort dem Gemeindeaufbau und der Gestaltung des Gemeindelebens. So sind im Rahmen der Aktion "Neu anfangen" ganz unterschiedliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbunden worden und haben daran persönliche Glaubensstärkung und Impulse für das eigene Gemeindeleben bekommen.
Wenn dem so ist, dann ist Ermutigung und Schulung angesagt, Ermutigung und Schulung derer, die Mitarbeitende werden sollen und sind. In der Kundgebung der EKD-Synode heißt es: "Wir freuen uns über alle ermutigenden Erfahrungen mit der Weitergabe des Glaubens. Aber vielen fällt es schwer, verständlich und überzeugend von ihrem Glauben zu reden. Das ruft Gefühle der Sprachlosigkeit, ja der Peinlichkeit hervor. Die Ursache ist insbesondere in einer mangelnden Bildung im Glauben zu suchen. Die in der Kindheit erworbene Gestalt des Glaubens trägt nicht mehr, und ein solider Unterricht für Erwachsene wird vielfach nicht angeboten oder in Anspruch genommen"(S.4). Und dann heißt es: "Mission ist keineswegs nur eine Sache der kirchlichen Institution und ihrer speziellen Dienste. Immer deutlicher wird in unserer Kirche erkannt, welchen Schatz – neben der wichtigen Funktion der Hauptamtlichen – die Ehrenamtlichen darstellen. Dabei dürfen wir uns nicht nur darauf stützen, was die Menschen an persönlichen Begabungen und Fähigkeiten von sich aus mitbringen. Sie brauchen Ermutigung, und sie brauchen Förderung. Darum muss es besondere Angebote der Schulung, der Weiterbildung, der Qualifizierung geben"(S.6).

Ich denke, dass es auf diese Dinge heute und in Zukunft besonders ankommt. Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang den Kurs "So wird Ihr Christsein anziehend". Er ist im Kontext der Willow Creek-Gemeinde entstanden und inzwischen so umgearbeitet worden, dass er für die ProChrist-Vorbereitung in Deutschland Verwendung finden konnte. Er stellt eine gute Impulshilfe für Menschen dar, denen es schwer fällt, über ihren Glauben zu sprechen, die sich aber danach sehnen, es besser zu können. Nähere Angaben zu diesem Kurs finden Sie im Lesebuch zur EKD-Synode auf S.57. Sehr zu empfehlen sind aber auch die Glaubenskurse, die ja beide Gruppen meinen, die Gemeindeglieder und solche, die es werden sollen. Hier nenne ich zunächst den in Deutschland wohl bekanntesten und bewährtesten Glaubenskurs mit der Bezeichnung "Christ werden – Christ bleiben". Superintendent Dr. Burghard Krause hat ihn vor zehn Jahren entworfen; der Kurs wird in Deutschland seit neun Jahren angeboten und ist inzwischen in ca. 1500 Gemeinden gelaufen. Im kommenden Jahr werden wir innehalten, um Gott zu danken für den 10jährigen Dienst dieses wirklich gesegneten Kurses. Wir haben auch Burghard Krause herzlich zu danken für alles, was er hier an Kraft und Kompetenz investiert hat. Hilfreich für die Ermutigung und Förderung Ehrenamtlicher kann mit Sicherheit auch der "Religionsunterricht für Erwachsene" sein, den die Katechetin Waltraud Mäschle in Württemberg entworfen hat und der inzwischen weite Verbreitung gefunden hat. Weiter empfehle ich sehr das Kursprogramm "Gottesdienst LEBEN", das im Gemeindekolleg der VELKD in Celle entstanden ist und ebenfalls seine sehr guten Dienste getan hat.

Allerdings kann nicht unausgesprochen bleiben, dass wir zur Qualifizierung von ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Gemeinden noch anderes Material brauche, das der Schulung in umfassender Weise dient. Noch einmal: Ohne den qualifizierten Dienst der Ehrenamtlichen wird die Kirche der Zukunft im Osten und Westen Deutschlands nicht sein können, wenn sie missionarische Kirche sein will; und das ist ihr aufgetragen und unverzichtbar in den heutigen Herausforderungen.

        5. Die Not mit der Konfessionslosigkeit, aber: "Jetzt schon das Land leben, auf das wir hoffen"

(OB Tiefensee)

Die härteste Herausforderung, der wir uns heute zu stellen haben, ist m.E. die schleichende oder offensichtliche Konfessionslosigkeit. Mit dieser Bezeichnung kommen Menschen ins Blickfeld, die seit zwei bis drei Generationen von der Kirche unerreicht sind, die keine christlichen Traditionen mehr kennen und denen auch jegliches Interesse dazu fehlt. Im Osten Deutschlands, so können wir nachlesen, sind das bereits 70% der Bevölkerung, im Westen 20-30%. Wenn das so stimmt, dann sind das gewaltige Zahlen von Menschen, die den christlichen Kirchen total entfremdet sind, ohne dass sie damit aufhören würden, auf irgendeine Weise religiös zu sein. Sie finden sich mit der Wirklichkeit ihres Lebens auf eine Weise ab, die uns nachdenklichen und christlich motivierten Menschen ganz unverständlich ist. Manche haben es sich schon als Aufgabe gestellt, wie es gelingen kann, diesen Code zu knacken. Nun kann es nicht darum gehen, mit den Wölfen zu heulen und einen Klagegesang anzustimmen. Es ist auch gar kein Grund, vom Ende der Volkskirche zu sprechen. Die Volkskirche bietet nach wie vor riesige Chancen, die damit verbundene, ich gebrauche den umstrittenen und doch nicht überholten Begriff einmal: Volksmission auch, im Osten wie im Westen. Nur ist es gut, sich keinen Sand in die Augen zu streuen und zu denken, es ginge alles so weiter. Das wird nicht so sein, auch in unseren westlichen Kirchen nicht. Die Zahl der Konfessionslosen steigt hier schleichend, aber sie steigt. Zum einen finde ich es wichtig, dass wir nicht nach hinten schauen und damit die Wirklichkeit verpassen. Zum anderen, dass wir uns beim nüchternen Blick auf die Wirklichkeit der Volkskirche auf Gottes Verheißungen ausrichten, und die gelten immer noch für die 2000 Jahre alte Kirche. Darum hat mich der Satz angerührt, den der Leipziger Oberbürgermeister Tiefensee in seinem Grußwort vor der EKD-Synode formuliert hat: "Wir sollten jetzt schon das Land leben, auf das wir hoffen." Ich fühlte mich erinnert an die Zeit um 1964, als Jürgen Moltmann sein Buch "Theologie der Hoffnung" herausbrachte und dachte dann daran, daß uns von dieser Schau viel verloren gegangen ist. Auf dem Willow- Creek-Kongress in Karlsruhe Anfang November 1999 war viel von der Notwendigkeit die Rede, Visionen für die Gemeinde zu entwickeln, Visionen auf dem Boden der Kirche des Neuen Testaments. Dies halte ich für ein Gebot der Stunde, eigentlich für jede Ortsgemeinde und jeden Kirchenkreis:
Visionen zu entwickeln und Leitbilder zu erstellen. Zum dritten aber können uns auch hier einige Modelle helfen. Gott sei Dank ist schon vieles vorgedacht und erprobt worden, und wenn nicht bei uns, dann doch in der weltweiten Kirche. Dr. Schäfer hat ja davon schon einen Eindruck vermittelt.
Ich habe vor einigen Monaten die Willow Creek-Gemeinde in Chikago besucht und bin nach wie vor davon beeindruckt, wie sensibel und kreativ dort die Zielgruppe der Nicht-Erreichten ins Blickfeld genommen wird. Am Wochenende finden vier Sucher-Gottesdienste statt, die Gemeindegottesdienste sind in der Mitte der Woche, jeweils abends. Bei den Sucher-Gottesdiensten wird sorgfältig darauf geachtet, dass die Menschen wirklich ihre Themen wiederfinden und dass das Programm biblisch begründet, theologisch angemessen, modern, professionell und ganzheitlich gestaltet ist, d.h. mit dem verkündigten Wort, mit viel Anbetungsmusik, mit Anspielen, Filmeinblendungen und Lebenszeugnissen. Wir werden den Reichtum und die Fülle der Angebote dort nicht so ohne weiteres übernehmen können. Dafür sind die sozialen und kulturellen Gegebenheiten zu verschieden. Aber auch hier gilt, was zu Church Planting gesagt worden ist: Wir können lernen: Der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Kock, hat das in seinem Bericht vor der EKD-Synode folgendermaßen zum Ausdruck gebracht: "Die Botschaft dieser amerikanisch-freikirchlichen Bewegung habe ich für mich so auf den Punkt gebracht: Christen dürfen sich nicht mit sich selbst und ihresgleichen zufrieden sein. Gottes Interesse gehört den Verlorenen. Daraus erwächst eine Leidenschaft, sich gerade um die zu bemühen, die bisher keine Verbindung zum christlichen Glauben hatten." Und, so kann ich hinzufügen, diese Leidenschaft setzt sich um in viel schöpferische Kraft, in liebevolles Nachgehen und – immer wieder – in der Förderung derer, die diesen Dienst tun sollen. Ich freue mich, dass es inzwischen auch in Deutschland Gemeinden gibt, die sich von dieser Prägung haben inspirieren lassen. Wichtig ist: Es geht nicht um Willow Creek, sondern um die Sehnsucht, Menschen mit der Christusbotschaft zu erreichen, die ihr inzwischen weit entlaufen sind. Um sie zu erreichen, können die Impulse aus den USA helfen. Es kann auch die Thomasmesse sein, die in Deutschland wohlbekannt ist und einen ungemein wichtigen Dienst getan hat. Es kann ProChrist sein, diese moderne Form der Großevangelisation, die im März 2000 zum vierten Male in Deutschland stattfinden wird und diesmal an 960 Übertragungsorten ausgestrahlt wird. Es kann wieder die Aktion "Neu anfangen" sein, die auch in Zukunft viel beansprucht werden wird. Es kann der Alpha-Kurs sein, ein Glaubensgrundkurs, der vor Jahren in London entwickelt worden ist und weltweit eine hohe Bedeutung erlangt hat. Es kann wieder der Glaubenskurs "Christ werden – Christ bleiben" sein, der Menschen am Rande eine so hilfreiche Hinführung zum Glauben ermöglicht. Es darf hier nicht um ein Gegeneinander gehen, sondern um die Frage, was und wer wozu passt und wie es am besten gelingen kann, den missionarischen Auftrag zu erfüllen. Vielleicht ist es ja auch der selbstgestrickte Glaubenskurs, der genau den richtigen Dienst tut. Hauptsache, die Leidenschaft Gottes und seine Liebe zu den Verlorenen treibt auch uns, damit wir möglichst viele Menschen neu zu Christus, dem "einzigen Trost im Leben und im Sterben" einladen und ihnen den Weg in die Gemeinde und in ein verantwortliches Christsein ermöglichen können. Da lohnt sich jeder Aufwand! Und sicher muss für die besonderen Herausforderungen durch die Konfessionslosen auch noch einmal ganz neu nachgedacht und das ABC des Glaubens neu buchstabiert werden, wenn ich nur an meine tägliche Wirklichkeit in meiner Heimatstadt Berlin denke. Es kann uns nicht in Ruhe lassen, dass neben uns ungezählte Menschen Christus nicht kennen.

III. Schlußbemerkung

Wenn ich diese und viele andere Modelle vor mir sehe, dann erfüllt mich wieder diese große Freude an dem, was ja doch da ist, was abrufbar ist und sich bewährt hat. Und wenn ich dann an das denke, was ja in den Gemeinden landauf landab geschieht an treuer qualifizierter missionarischer Arbeit geschieht, dann kann ich nur zitieren, was wir bei der Erstellung des Lesebuches für die EKD-Synode auch empfunden und dann formuliert haben: "Es ist ein großer Reichtum, dass wir beides haben und anwenden können: Den Schatz dessen, was regelmäßig im Gemeindealltag an missionarischer Praxis geschieht und möglich ist, und den Schatz der Modelle, Kurse und Projekte, der hin und wieder, dann aber auch immer wieder angezapft wird und das regelmäßige Gemeindeleben befruchtet"(S.46). So kann es dann heute schon gelingen, was Herr Tiefensee formuliert hat: Wir können heute schon in dem Land leben, auf das wir hoffen. Und bei allem bin ich davon überzeugt, dass gerade hier in der Hannoverschen Landeskirche die so kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Missionarischen Dienste weiterhin den Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite stehen können bei dem Bemühen, die für sie geeignete Hilfestellung zu bekommen. Ich habe mich bei dem, was ich Ihnen vorgetragen habe, auf einen Ausschnitt beschränkt und muss den Mut zur Lücke aufbringen. Eine Schlußbemerkung sei noch angefügt: In der Überschrift über diesem Referat steht, dass es um Entdeckungen gehen soll. Entdeckungen machen die, die sich auf den Weg machen. Das ist ja auch die Grundstruktur alles Missionarischen, die Beweglichkeit, das Gehen, das Verlassen des gesicherten und manchmal ja auch starr gewordenen Ortes in der Erwartung, dass es Neues, Lebensförderndes zu entdecken gibt. Am Anfang geht es um das Gebet, das Stehen vor Jesus, durchaus auch mit leeren Händen. Und dann lädt er uns ein zu neuer Bewegung, auf sein Wort hin, auf die Entdeckungsreise Mission. Wir nehmen sozusagen für unterwegs missionarische Modelle mit, die wir kennen. Wir nehmen unsere Erfahrung mit. Aber der, der uns dann begegnet, ist Jesus Christus erneut. Er wird das Mitgebrachte brauchen können. Aber am Ende steht die Entdeckung: Er hat mit seinem Volk noch viel vor, er schenkt Wachstum und neue Gemeinschaft. Wir haben viel zu tun, aber wir haben auch viel Grund zur Freude, jetzt schon. Ich wünsche Ihnen und uns allen den Mut, missionarisch beweglich zu sein und zu werden, im Annehmen der Herausforderungen, aber auch in der Erwartung dessen, was Jesus Christus für uns bereitet hat.

Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, Informations- und Pressestelle, Archivstr. 3, 30169 Hannover
Telefon: 0511-1241-399 / Fax: 0511-18200, E-Mail: ips.hannover@evlka.de

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Grenzen überschreiten - Wie werden Gemeinschaften einladend?

Landessuperintendent Dr. theol. Burghard Krause, Göttingen
 

Wenn nicht alles täuscht, geschieht das Christwerden heute häufiger auf einem langsamen "Emmaus-Weg" als in punktuellen "Damaskus-Ereignissen". Menschen erfahren ihr Beheimatung in Christus als einen vielschichtigen Prozess des allmählichen Hineinwachsens in den Glauben. Dieser Prozess wird begleitet und sozial abgestützt durch das (zunächst oft provisorische) Mitleben in einer Gemeinde oder Gemeinschaft. Hier kann Glaube erprobt und bezweifelt, befragt, erlernt und angeeignet werden. Die traditionelle evangelistische Reihenfolge "1. Zum Glauben finden – 2. In die Gemeinde/Gemeinschaft finden" scheint sich umzukehren: die Beheimatung in der

Gemeinschaft von Christen geht der Beheimatung im Glauben an Christus oft voraus. Darum brauchen wir einladende Gemeinschaften, die nicht vorschnell Grenzen ziehen zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Wir brauchen Gemeinschaften, die Suchende, Fragende, Unentschlossene und Zweifler wertschätzen, ohne sie gleich zu vereinnahmen. Gemeinschaften, die ihnen Heimatrecht in ihrer Mitte geben in der begründeten Hoffnung, dass sie so ihre Heimat in Christus entdecken. "Ehrung kommt vor Bekehrung" (Wolfgang Vorländer).

Aber wie werden Gemeinschaften zu einladenden, "evangelisierenden" Gemeinschaften?

Zunächst einmal geht es um einen Perspektiven-Wechsel. Die klassische evangelistische Perspektive blickt von innen nach außen. Die Rede von den "Fernstehenden" und "Distanzierten" verrät ihre binnenchristliche Sichtweise. Wir brauchen heute aber vor allem die Perspektive von außen nach innen. Die Frage heißt: Wer ist hier eigentlich distanziert? Für viele sind wir Christen "die Außenstehenden. Wir stehen außerhalb des Erfahrungsbereiches dieser Menschen. Was wir in der Kirche tun, liegt ihnen fern" Eberhard Winkler). Soziologen haben unterschiedliche gesellschaftliche "Milieus" diagnostiziert, zwischen denen regelrechte "Ekelschranken" bestehen. Die Schranken, die Menschen vom "christlich-kirchlichen Milieu" fernhalten, müssen wir abbauen - nicht die anderen. Christus ist bereits "draußen in der Welt präsent" (Winkler). Er steht längst an der Seite der Menschen. Darum gehören auch wir an ihre Seite, wenn wir ihn bezeugen wollen.

Evangelisation heute geschieht vor allem als Konvivenz (in der Begegnung und im Zusammenleben; d. Hrsg.), in der eine Gemeinschaft mit Menschen geduldig und ehrlich den langen Emmaus-Weg mitgeht, mit ihnen zusammen das Evangelium neu entdeckt und sich dabei selbst verändert. Das bedeutet konkret: Eine evangelisierende Gemeinschaft ist

  • eine bewirtende und gastfreundliche Gemeinschaft, deren mitmenschliches Klima Gottes eigene Menschenfreundlichkeit    wohltuend widerspiegelt;

  • eine beratende und seelsorgerliche Gemeinschaft, die Menschen in ihren Alltagssorgen und Lebensnöten aus der Kraft des Evangeliums heraus begleitet;

  • eine besuchende und einladende Gemeinschaft, die öffentliche Präsenz und freundschaftliche Nähe wagt - die nicht auf die Menschen wartet, sondern auf sie zu- und ihnen nachgeht;

  •  eine diakonische Gemeinschaft mit Leidenschaft für Zu-kurz-Gekommene und Entrechtete, die ihre sozial-diakonische Hilfsbereitschaft nicht abhängig macht von der Aufnahmebereitschaft für das evangelistische Wort;

  • eine bezeugende und zum Glauben helfende Gemeinschaft, in der Christen ohne falsche Scheu, aber auch ohne imperialistisches Gehabe dialogisch und argumentativ zu Christus einladen;

  • eine bezeugende und zum Glauben helfende Gemeinschaft, in der Christen ohne falsche Scheu, aber auch ohne imperialistisches Gehabe dialogisch und argumentativ zu Christus einladen;

  • eine kulturell bewegliche Gemeinschaft, die die Kluft zwischen dem Evangelium und den Menschen nicht noch durch einen kulturellen Graben vertieft;

  • eine anbetende Gemeinschaft, die Gott so in ihrer Mitte feiert, dass ihre Veranstaltungen missionarisch ausstrahlen - ohne dabei unmissionarisch "verzweckt" zu werden;

  • eine trotz missionarischer Leidenschaft geduldige Gemeinschaft, die sich vor evangelistischer Hektik und vor einem unevangelischen "Messiaskomplex" schützt und in Gelassenheit gewinnend lebt - statt schnell gewinnen zu wollen;

  • eine getroste Gemeinschaft, die sich von Vergeblichkeitserfahrungen in ihren evangelistischen Bemühungen nicht entmutigen lässt, sondern auf die Verheißung setzt, dass Gottes Wort nicht leer zurückkommt;

  • eine betende Gemeinschaft, die sich in der Stille immer wieder von ungesunder Routine befreit und neu nach dem fragt, was Gott von ihr will.

Wir brauchen ein überkonfessionelles Zweckbündnis aller missionarisch-evangelistischen Kräfte in Kirchen, Freikirchen, Werken, Verbänden und theologischen Ausbildungsstätten – eine Grenzüberschreitung, in der wir unsere unterschiedlichen Missionstheologien und Evangelisationsformen nicht als Grund zur Abschottung voneinander verstehen, sondern als Herausforderung zu einem wechselseitigen Voneinander-Lernen und zu gegenseitiger Ergänzung und Korrektur. Nur gemeinsam – und das heißt: nur in Bejahung unserer missionarisch-evangelistischen Pluralität - werden wir der evangelistischen Verantwortung heute gerecht.

Die obigstehenden Gedanken von Pastor Dr. Burkhard Krause haben wir in der Zeitschrift "Brennpunkt Gemeinde" der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) entdeckt. Unter der Überschrift "Wie werden Gemeinden einladend?" bedenkt Burghard Krause die volkskirchliche Gemeindesituation und spricht daher durchgängig von "Gemeinde".

Beim näheren Betrachten seiner Anregungen kam uns der Gedanke, die Herausforderungen auf Gemeinschaften zu beziehen. Der Verfasser hat sich damit einverstanden erklärt, dass wir das Wort "Gemeinde" durchgängig mit "Gemeinschaft" ersetzen. Durch diese Verfremdung des Textes entsteht für eine Landeskirchliche Gemeinschaft eine andere, eine neue Perspektive, die sich zu bedenken lohnt.

Wie wäre es, die Leitgedanken von Dr. Krause gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu studieren!?
–jpc–

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AMD-Theologenkongresses in Leipzig


Mit der Wahl des Kongress-Mottos "Denn Dein ist die Kraft. Für eine wachsende Kirche" wurden zwei Zielrichtungen vorgegeben: Zum einen sollte es in die Tiefe führen, in die Anbetung Gottes und damit in seinen Macht- und Kraftbereich. Zum anderen sollte der Kongress nach vorn führen, weg von der lähmenden Resignation angesichts der Finanz- und Strukturprobleme hin zur mutigen Gestaltung der Zukunft der Kirche, die ja unter der Verheißung der Gegenwart Christi steht. Und mit der Entscheidung für Leipzig als Kongressort knüpften wir an den gesellschaftlichen Aufbruch 1989 und an die als "Missions-Synode" der EKD bekannt gewordenen Sitzung des evangelischen Kirchenparlaments 1999 an. Offenbar ist es in Leipzig gelungen, Sachthemen und geistliche Angebote so zu verbinden, dass die Teilnehmenden in ihrem persönlichen Leben und im Blick auf ihren Dienst neu motiviert worden sind.

Am Abend des ersten Kongresstages hielt der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Dr. Wolfgang Huber den Eröffnungsvortrag "Kirche im Aufbruch. Eine Zeitansage zum Kongressthema" in der gut gefüllten Thomaskirche.

Erwartungsgemäß spielte das im Juli 2006 erschienene Reformpapier der EKD "Kirche der Freiheit" nicht nur hier eine zentrale Rolle. Das Diskussionspapier erntete viel Zustimmung, aber bot auch Anlass für eine kontrovers geführte Diskussion. Bischof Huber machte darüber hinaus auch klar, dass die Kirche sich im 21. Jahrhundert deutlicher als bisher den Konfessionslosen widmen müsse. Ein besonderes Augenmerk gehöre den Ausgetrenenen, also denen, die getauft sind, aber die Kirche verlassen haben. Er betonte, dass hier eine besondere kirchliche Verantwortung liege, die nicht vernachlässigt werden darf, da ja die Taufe mit dem Kirchenaustritt nicht ungültig würde. Den Vortrag und viele weitere Dokumente können Sie unter "Service/Dokumentation" herunterladen.

Die auffällig hohen Besucherzahlen beim Forum 5 ("Wie wir wieder wachsen können" mit dem badischen Landesbischof Dr. Ulrich Fischer und dem anglikanischen Bischof Stephen Cottrell) und dem Workshop 7 ("Fröhlich kleiner werden und mutig wachsen" mit Bischof Axel Noack und Pfarrerin Birgit Winterhoff) zeigten, dass ´Wachsende Kirche` das zentrale Thema dieses Kongresses war. Die Rede vom Wachstum umschließt beides: die geistliche und die quantitative Dimension. Wachstum, so wurde u.a. auch aus den Bibelarbeiten deutlich, soll nur so verstanden werden, dass das innere Wachstum der Gemeinden dem äußeren vorausgehen muss.

Quelle: AMD-Internetauftritt - http://www.a-m-d.de/theologenkongress/programm/

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Wie gut kennt der Papst die evangelischen Kirchen?

A h r e n s b u r g  –  Papst Benedikt XVI. nimmt die reformatorischen Kirchen in Deutschland zu wenig wahr. Das hat der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evang.-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), beklagt.

Weber begründet dies mit einem Interview, das der Papst vor seinem Bayern-Besuch deutschen Medienvertretern gegeben hatte. Darin sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche im Blick auf die evangelischen Kirchen: „In Deutschland haben wir, wenn ich recht weiß, drei größere Gemeinschaften: Lutheraner, Reformierte, Preußische Union.“ Die Äußerung des Papstes, die dritte große Säule der reformatorischen Kirchen sei die „Preußische Union“, nährt laut Weber die Vermutung, „wie wenig der vormalige deutsche Professor sich für die kirchliche Situation in seinem Heimatland interessiert hat und interessiert“. Dass die heutige Union Evangelischer Kirchen (UEK) nicht nur die historische Preußische Union umfasse, alle Landeskirchen in der EKD zusammengeschlossen seien und die VELKD ein langjähriger Dialogpartner der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sei, scheine dem Papst unbekannt zu sein. Diese mangelnde Wahrnehmung der reformatorischen Kirchen in Deutschland sei eine „ökumenische Hürde“, sagte der Catholica-Beauftragte in seinem Bericht vor der Generalsynode der VELKD. Weber sieht aber auch Defizite auf evangelischer Seite. Kirchen und Theologische Fakultäten müssten mehr darauf bedacht sein, „Rom“ zu vermitteln, was das Zentrum evangelischen Glaubens sei, „was uns heilig ist und wie in unseren Kirchen verbindliches Lehren zustande kommt“ ...

Quelle: idea, Christliches Infoportal

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