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Pünktlich zum Händel-Gedenken (Georg Friedrich Händel 23.2.1685 - 14.4.1759) ist ein bemerkenswertes Buch zu dem weltweit bekanntesten und meistaufgeführten Werk des Komponisten unter dem Titel „Wege zum Messias" erschienen. Die Veröffentlichung, verfasst von einem 23köpfigen Team von namhaften Kennern und Interpreten, herausgegeben von den Musikpädagoginnen Dr. Annette Busch und Christa Merhof aus Hermannsburg, ist nicht nur ein Lesegenuss und eine Fundgrube für ein tieferes Verständnis des Händelschen „Messias", sondern darüber hinaus ein inhalts- und ideenreiches Hand- und Werkbuch für alle, die den Messias für sich hören oder mit anderen musizieren möchten. |
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Die hier dargebotenen Betrachtungen zu Musik und Texten der 52 Stücke des Oratoriums geben zudem wertvolle Anregungen für alle, die in der kirchlichen Mitarbeit bei Unterricht, Besuchsdienst, Gruppenarbeit, Seelsorge und Andachten also auch bei Diensten außerhalb der Kirchgebäude mittun möchten. So gesehen liegt hier ein „christliches Lebensbuch" vor, spricht es doch in alle aktuellen menschlichen Bereiche und Themen hinein, wie Freud und Leid, Mitleid und Sinnsuche, Erwartung und Trost, Krankheit und Heilung, Geburt, Arbeit und Tod, Last und Jubel, Angst und Zuversicht. Es enthält eben so schlicht ergreifende wie anspruchsvoll weiterführende Texte, die auf ihre je eigene Weise überzeugende „Wege zum Messias" aufzeigen und öffnen können. Das Buch zu Handels Messias ist wärmstens zu empfehlen. Es sollte in keiner kirchlichen Mitarbeiterbibliothek fehlen und ist ein toller Geschenk-Tipp. Ihm ist eine weite Verbreitung zu wünschen zu vielfachem und sinnvollem Genuss und Gebrauch. - Wilhelm Rothfüchs |
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In Christus zum Zeugnis berufen – Wege missionarischer Praxis entdecken |
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Herr Präsident, hohe Synode! Es ist mir eine Ehre und Freude, vor Ihnen zu stehen und zu Ihrem so wichtigen Synodalthema einen Beitrag leisten zu können. Ich erinnere mich dankbar meiner Jugendjahre in Aurich/Ostfriesland und dabei auch meiner Konfirmation in der Lambertikirche in Aurich. Ich gehöre zwar nicht zu Ihrer Landeskirche, Jedenfalls schon seit langem nicht mehr, aber es gibt viele Verbindungslinien über Jahre hinweg, unter anderem auch durch meine frühere Tätigkeit als Direktor der Arbeitsgemeinschaft MBK in Bad Salzuflen, und dafür bin ich von Herzen dankbar. So lassen Sie mich nun auf das Thema des heutigen Vormittags zu sprechen kommen, das ja lautet: "In Christus berufen - den Herausforderungen begegnen - Wege missionarischer Praxis entdecken." Ich stehe hier nun als letzter in der Reihe, und es soll nun unweigerlich um Schritte der Praxis gehen. Dem will ich gern zu entsprechen versuchen. Allerdings kann ich nicht umhin, auch die Versuchungen einer solchen Praxissuche aufzuzeigen. Die haben viel mit unserem Thema zu tun. So beginne ich mit I. Notwendige Vorklärungen
Wir stehen heute vor großen Herausforderungen,
wir haben es gestern und nicht erst da deutlich wahrgenommen. Die Thematik Ihrer
Landessynode zeigt ja, dass Sie die Herausforderungen sehen und darauf reagieren
wollen. Zur Reaktion aber gehört, da sind wir uns sicher alle schnell einig,
nicht nur und auch nicht zuerst die Suche nach gelingender Praxis, sondern
zuerst eine Standortbestimmung, die Frage nach uns selbst und unserer Fähigkeit,
mit Herausforderungen umzugehen und sich ihnen zu stellen. Herausforderungen
führen immer in eine Krise, und die hat mit neuer Entscheidung zu tun, mit
Veränderung, ja sogar mit Verwandlung. Wer Praxis will, gelingende Praxis, ist
nach seiner Bereitschaft gefragt, sich den Herausforderungen persönlich zu
stellen und Veränderungen nicht nur verbal zu wollen, sondern sie auch
existentiell zuzulassen. Solche Haltung ist heute gefragt, auf allen Ebenen
kirchlichen Lebens. Praxissehnsucht und Praxisbemühung gehen ins Leere, wenn sie
nicht einher gehen mit dem Willen nach eigener Veränderung. Zum anderen führt
die Suche nach gelingender Praxis zu einer Rückbesinnung auf die Quellen, aus
denen wir schöpfen. Dies sage ich besonders im Blick darauf, dass wir ja eine
kirchliche Arbeit tun, eine dem Herrn der Kirche, Jesus Christus, dienende und
von ihm gespeiste und getragene Arbeit. Ist die Herausforderung da, ist der
erste Weg nicht der Ruf nach Praxis, sondern das Innehalten vor Ihm. Was will ich damit praktisch sagen? Ich freue mich, dass diese Synode geistliche Akzente setzt, dass Gottes Wort und die Antwort darauf im Mittelpunkt steht. Denn nur so werden wir bewahrt vor atemloser Hektik und Betriebsamkeit, vor dem Haschen nach schnell wirksamen Modellen, die uns helfen sollen, auf unsere Herausforderungen geeignete Antworten zu finden. Ich wünsche Ihnen und uns, daß wir im Rahmen aller Bemühung um neue Praxis Anschluß suchen und finden an die lebendige Quelle, Christus selbst, der uns dann auch auf die richtigen Fährten führt. Dazu können Ihnen Ihre wundervollen Orte geistlichen Lebens helfen, die Sie im Hannoverschen Land haben, aber auch jede Gebetsgemeinschaft im Mitarbeiterkreis und jedes gottesdienstliche Geschehen am Sonntag oder auch zu anderen Zeiten. II. Auf die Herausforderungen eingehen - Wege missionarischer Praxis entdecken Wenn ich mich nun dem eigentlichen Thema zuwende, dann tue ich das immer noch vorsichtig, um Einverständnis bemüht, Zwischenfragen aufnehmend, kritische Anfragen nach Möglichkeit einbeziehend. Zu sensibel ist das Thema, als dass wir einfach so loslegen könnten und "Wege missionarischer Praxis" mehr oder weniger problemlos aufzeigen könnten. Was ich im folgenden entfalte, liegt teilweise immer noch im Vorfeld der Praxis, es kann aber Praxis ermöglichen helfen. So haben die ersten beiden Abschnitte dieses Hauptteils des Referats eröffnenden Charakter, die darauf folgenden drei Abschnitte nehmen dann Herausforderungen auf, um sie mit Praxismodellen und auch -vorschlägen zu verbinden. Die Entdeckungsreise kann ich aber niemandem ersparen; darauf komme ich am Schluss des Referats noch einmal zu sprechen. 1. Mission als Aufgabe der ganzen Kirche Gerade hat die EKD-Synode getagt und genau dieses in großer Einmütigkeit in ihrer Kundgebung zum Ausdruck gebracht: Mission in Deutschland, denn darauf bezog sich das Synodalthema, ist Sache der ganzen Kirche. Ich zitiere: "Von dieser Tagung der Synode geht das Signal aus: Die evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle." Und wenig später heißt es:
"Es hat eine Zeit
gegeben, in der es den Anschein haben konnte, als sei die missionarische
Orientierung das Markenzeichen nur einer einzelnen Strömung in unserer Kirche.
Heute sagen wir gemeinsam: Weitergabe des Glaubens und Wachstum der Gemeinden
sind unsere vordringliche Aufgabe, an dieser Stelle müssen die Kräfte
konzentriert werden." So lassen Sie uns aufbrechen zu neuen Ufern im Blick auf die Verständigung im Blick auf Mission und Evangelisation und gemeinsame Wege der missionarischen Praxis. Nur so kann es gelingen, daß eine ganze Kirche Veränderungen vollzieht, die sich dann auch wirklich an der Basis auswirken und die geistliche Erfrischung bringen, nach der wir uns alle so sehr sehnen. 2. Permanente und kontingente Evangelisation, oder: Gegen die falschen Alternativen
Wenn ich jetzt auf
die Praxis selbst zu sprechen komme, so ist es mir wichtig, ein Wort zur
Verortung und zum Geschehen der Evangelisation zu sagen. Ich werde einige
Modelle nennen, gewiss, und werde Ihnen einige Empfehlungen geben. Vieles von
dem, was ich sage, finden Sie in dem Lesebuch wieder, das den Synodalen der EKD
zugesandt worden ist und das ja zu meiner Freude auch in Ihre Hände gelangt ist.
Wichtig ist mir aber eines besonders: Wir sollten von vornherein falsche
Alternativen vermeiden. Viele denken bei Evangelisation an Zeltmission, an
einzelne Evangelisten, die mehr oder weniger segensreich gewirkt haben oder an
Projekte wie ProChrist. Sie sehen diesen Dienst als temporäre
Spezialistenaufgabe, messen ihm auch durchaus Wichtigkeit bei, sehen aber nicht
die Verbindung zur normalen Arbeit der Ortsgemeinde. So entstanden früher die
Unsicherheiten, bald auch die Vorurteile und Verurteilungen: Der fremde
Evangelist war der große Könner, der die Gemeinde einmal herumwirbelte, der kam
und auch wieder ging und eine große Staubwolke hinter sich zurückließ. Die
Pfarrer vor Ort hatten dann die kontinuierliche Arbeit weiter zu tun und sahen
wenig, was sie im Gemeindealltag von dem übernehmen konnten, was in der
Evangelisationswoche angesprochen worden war. Manchmal wollten sie auch nichts
davon sehen, weil sie menschlich getroffen, vielleicht auch verletzt waren.
Dieses Verständnis von Evangelisation ist überholt. Heute sehen wir den tiefen
Zusammenhang von kontinuierlicher Evangelisation, die sich im Gemeindealltag
vollzieht, wir nennen das permanente Evangelisation, und der kontingenten, d.h.
der projektbezogenen, zeitlich begrenzten Evangelisation. Wenn das eine nicht
auf das andere bezogen ist, entstehen meist dicke Probleme, die sich kaum lösen
lassen. Im Lesebuch für die EKD-Synode haben wir, die wir für die Redaktion
verantwortlich waren, diese Probleme zu vermeiden versucht. Sie werden gesehen
haben, dass ein Abschnitt ausdrücklich die Überschrift trägt: "Die Gemeinde als
Ort der Evangelisation". In diesem Abschnitt ist insbesondere der Teil "Angebote
zur lebensgeschichtlichen Hinführung zum Glauben" für unser Thema wichtig. Hier
sind die kontinuierlichen Gemeindeangebote zusammengestellt, die evangelistische
Ausprägung und Wirkung haben. Sie stehen in deutlicher Verbindung zu den
Projekt- und Kursangeboten, die davor aufgelistet werden. Damit Sie mich recht
verstehen: Nicht alles, was im Gemeindealltag passiert, kann unter der
Überschrift "missionarisch" laufen. Zu Recht heißt es im Votum der Arnoldshainer
Konferenz zu diesem Thema: "Wo alles missionarisch ist, ist nichts
missionarisch." Und in diesem Votum des Theologischen Ausschusses findet sich
auch eine Beschreibung des missionarisch-evangelistischen Auftrages, die ich als
sehr hilfreich für unser ganzes Thema finde: "Evangelisation meint eine Weise
der kirchlichen Verkündigung, in der die Grundaussagen des Evangeliums mit dem
Ziel ausgesprochen werden, dass Menschen zur Umkehr und zum Glauben an Jesus
Christus kommen und die ersten Schritte der Nachfolge in diesem Glauben
versuchen. Evangelisation kommt aus der Überzeugung, dass die "Gute Nachricht"
für jeden Menschen lebensnotwendig, darum mitteilenswert und aller Annahme wert
ist. Darum die Leidenschaft, die Unerreichten endlich zu erreichen, die
Ahnungslosen verständlich und persönlich anzusprechen und die schon längst und
immer wieder Angesprochenen wachzurütteln und zu einer konsequenten Beantwortung
der Botschaft einzuladen." 3. Mitgliederschwund und Finanznot – eine missionarische Chance?
Der verstorbene
Bischof der Berlin-Brandenburgischen Kirche, Kurt Scharf, hat einmal davon
gesprochen, dass durch Mitgliederschwund und Finanznöte eine "Gesundschrumpfung
der Kirche" zu erwarten sei. Diese Formulierung ist ihm damals sehr übel
genommen worden, und ganz wörtlich ist sie sicher auch nicht zu nehmen. Aber sie
hat doch auch ihren Wahrheitsgehalt. Jede Krise birgt in sich die Möglichkeit
und Notwendigkeit des Innehaltens und der kritischen Reflexion darüber, ob der
bisherige Weg richtig war und was künftig zu tun ist. Jedes Innehalten auf dem
Wege hat schon an sich mit Gesundheit zu tun, und sei es nur von ferne: Der
gehetzte kirchliche Funktionär erlaubt sich eine Pause und prüft seinen Weg. Wir
sind m.E. an einer Stelle angelangt, wo diese Prüfung unumgänglich nötig ist, wo
radikale Fragen erlaubt sein müssen und neue Wege, bisher noch nie gegangene
Wege vorstellbar sein müssen. Wir haben es im Rahmen des Referats von Bischof
Noack gehört, welchen Herausforderungen wir uns zu stellen haben. Neue Visionen
sind gefragt, Innovation auf dem Boden gewachsener Tradition ist angesagt. Das
bedeutet auch, dass Modelle und Projekte, die sich bereits bewährt haben, hier
oder im Ausland, in die Überlegungen einbezogen werden müssen. Die Anglikanische
Kirche in England hat in einem existenzbedrohenden Kontext vor etwa 15 Jahren
das Modell "Church Planting" (Gemeindepflanzung) aufgegriffen und zu einem
Programm der ganzen Kirche gemacht. Dieses Modell ist zunächst ein geistliches
Geschehen, das Schritt für Schritt auch operative Züge bekommt. 4. Mündige Gemeinde in missionarischer Verantwortung
Ich schiebe jetzt
einen Abschnitt ein, der eine Art Schlüsselfunktion für alles bisherige und
alles noch kommende hat. Die Anmerkungen zur Gemeindepflanzungsbewegung der
Anglikanischen Kirche, zu "Neu anfangen" wie zu anderen Modellen, auf die ich
noch zusprechen komme, haben zwei Grundvoraussetzungen, ohne die nichts geht:
Das Gebet und die mündige Gemeinde. Vom Gebet war schon die Rede, der mündigen
Gemeinde möchte ich mich jetzt kurz zuwenden. Ich denke, dass die Kirche der
Zukunft eine Kirche sein wird, in der die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter prägend sein werden und in der die Hauptamtlichen wesentlich die
Aufgabe der Schulung und Begleitung haben. Die kontinuierliche Gemeindearbeit
wird aber wesentlich getragen von einer großen Zahl mündiger Gemeindeglieder,
die bereit sind, für einen abgegrenzten Zeitraum oder auch auf Dauer
missionarische Verantwortung zu übernehmen. Ich denke, dass es auf diese Dinge heute und in Zukunft besonders ankommt. Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang den Kurs "So wird Ihr Christsein anziehend". Er ist im Kontext der Willow Creek-Gemeinde entstanden und inzwischen so umgearbeitet worden, dass er für die ProChrist-Vorbereitung in Deutschland Verwendung finden konnte. Er stellt eine gute Impulshilfe für Menschen dar, denen es schwer fällt, über ihren Glauben zu sprechen, die sich aber danach sehnen, es besser zu können. Nähere Angaben zu diesem Kurs finden Sie im Lesebuch zur EKD-Synode auf S.57. Sehr zu empfehlen sind aber auch die Glaubenskurse, die ja beide Gruppen meinen, die Gemeindeglieder und solche, die es werden sollen. Hier nenne ich zunächst den in Deutschland wohl bekanntesten und bewährtesten Glaubenskurs mit der Bezeichnung "Christ werden – Christ bleiben". Superintendent Dr. Burghard Krause hat ihn vor zehn Jahren entworfen; der Kurs wird in Deutschland seit neun Jahren angeboten und ist inzwischen in ca. 1500 Gemeinden gelaufen. Im kommenden Jahr werden wir innehalten, um Gott zu danken für den 10jährigen Dienst dieses wirklich gesegneten Kurses. Wir haben auch Burghard Krause herzlich zu danken für alles, was er hier an Kraft und Kompetenz investiert hat. Hilfreich für die Ermutigung und Förderung Ehrenamtlicher kann mit Sicherheit auch der "Religionsunterricht für Erwachsene" sein, den die Katechetin Waltraud Mäschle in Württemberg entworfen hat und der inzwischen weite Verbreitung gefunden hat. Weiter empfehle ich sehr das Kursprogramm "Gottesdienst LEBEN", das im Gemeindekolleg der VELKD in Celle entstanden ist und ebenfalls seine sehr guten Dienste getan hat. Allerdings kann nicht unausgesprochen bleiben, dass wir zur Qualifizierung von ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Gemeinden noch anderes Material brauche, das der Schulung in umfassender Weise dient. Noch einmal: Ohne den qualifizierten Dienst der Ehrenamtlichen wird die Kirche der Zukunft im Osten und Westen Deutschlands nicht sein können, wenn sie missionarische Kirche sein will; und das ist ihr aufgetragen und unverzichtbar in den heutigen Herausforderungen. 5. Die Not mit der Konfessionslosigkeit, aber: "Jetzt schon das Land leben, auf das wir hoffen" (OB Tiefensee)
Die härteste
Herausforderung, der wir uns heute zu stellen haben, ist m.E. die schleichende
oder offensichtliche Konfessionslosigkeit. Mit dieser Bezeichnung kommen
Menschen ins Blickfeld, die seit zwei bis drei Generationen von der Kirche
unerreicht sind, die keine christlichen Traditionen mehr kennen und denen auch
jegliches Interesse dazu fehlt. Im Osten Deutschlands, so können wir nachlesen,
sind das bereits 70% der Bevölkerung, im Westen 20-30%. Wenn das so stimmt, dann
sind das gewaltige Zahlen von Menschen, die den christlichen Kirchen total
entfremdet sind, ohne dass sie damit aufhören würden, auf irgendeine Weise
religiös zu sein. Sie finden sich mit der Wirklichkeit ihres Lebens auf eine
Weise ab, die uns nachdenklichen und christlich motivierten Menschen ganz
unverständlich ist. Manche haben es sich schon als Aufgabe gestellt, wie es
gelingen kann, diesen Code zu knacken. Nun kann es nicht darum gehen, mit den
Wölfen zu heulen und einen Klagegesang anzustimmen. Es ist auch gar kein Grund,
vom Ende der Volkskirche zu sprechen. Die Volkskirche bietet nach wie vor
riesige Chancen, die damit verbundene, ich gebrauche den umstrittenen und doch
nicht überholten Begriff einmal: Volksmission auch, im Osten wie im Westen. Nur
ist es gut, sich keinen Sand in die Augen zu streuen und zu denken, es ginge
alles so weiter. Das wird nicht so sein, auch in unseren westlichen Kirchen
nicht. Die Zahl der Konfessionslosen steigt hier schleichend, aber sie steigt.
Zum einen finde ich es wichtig, dass wir nicht nach hinten schauen und damit die
Wirklichkeit verpassen. Zum anderen, dass wir uns beim nüchternen Blick auf die
Wirklichkeit der Volkskirche auf Gottes Verheißungen ausrichten, und die gelten
immer noch für die 2000 Jahre alte Kirche. Darum hat mich der Satz angerührt,
den der Leipziger Oberbürgermeister Tiefensee in seinem Grußwort vor der
EKD-Synode formuliert hat: "Wir sollten jetzt schon das Land leben, auf das wir
hoffen." Ich fühlte mich erinnert an die Zeit um 1964, als Jürgen Moltmann sein
Buch "Theologie der Hoffnung" herausbrachte und dachte dann daran, daß uns von
dieser Schau viel verloren gegangen ist. Auf dem Willow- Creek-Kongress in
Karlsruhe Anfang November 1999 war viel von der Notwendigkeit die Rede, Visionen
für die Gemeinde zu entwickeln, Visionen auf dem Boden der Kirche des Neuen
Testaments. Dies halte ich für ein Gebot der Stunde, eigentlich für jede
Ortsgemeinde und jeden Kirchenkreis: III. Schlußbemerkung Wenn ich diese und viele andere Modelle vor mir sehe, dann erfüllt mich wieder diese große Freude an dem, was ja doch da ist, was abrufbar ist und sich bewährt hat. Und wenn ich dann an das denke, was ja in den Gemeinden landauf landab geschieht an treuer qualifizierter missionarischer Arbeit geschieht, dann kann ich nur zitieren, was wir bei der Erstellung des Lesebuches für die EKD-Synode auch empfunden und dann formuliert haben: "Es ist ein großer Reichtum, dass wir beides haben und anwenden können: Den Schatz dessen, was regelmäßig im Gemeindealltag an missionarischer Praxis geschieht und möglich ist, und den Schatz der Modelle, Kurse und Projekte, der hin und wieder, dann aber auch immer wieder angezapft wird und das regelmäßige Gemeindeleben befruchtet"(S.46). So kann es dann heute schon gelingen, was Herr Tiefensee formuliert hat: Wir können heute schon in dem Land leben, auf das wir hoffen. Und bei allem bin ich davon überzeugt, dass gerade hier in der Hannoverschen Landeskirche die so kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Missionarischen Dienste weiterhin den Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite stehen können bei dem Bemühen, die für sie geeignete Hilfestellung zu bekommen. Ich habe mich bei dem, was ich Ihnen vorgetragen habe, auf einen Ausschnitt beschränkt und muss den Mut zur Lücke aufbringen. Eine Schlußbemerkung sei noch angefügt: In der Überschrift über diesem Referat steht, dass es um Entdeckungen gehen soll. Entdeckungen machen die, die sich auf den Weg machen. Das ist ja auch die Grundstruktur alles Missionarischen, die Beweglichkeit, das Gehen, das Verlassen des gesicherten und manchmal ja auch starr gewordenen Ortes in der Erwartung, dass es Neues, Lebensförderndes zu entdecken gibt. Am Anfang geht es um das Gebet, das Stehen vor Jesus, durchaus auch mit leeren Händen. Und dann lädt er uns ein zu neuer Bewegung, auf sein Wort hin, auf die Entdeckungsreise Mission. Wir nehmen sozusagen für unterwegs missionarische Modelle mit, die wir kennen. Wir nehmen unsere Erfahrung mit. Aber der, der uns dann begegnet, ist Jesus Christus erneut. Er wird das Mitgebrachte brauchen können. Aber am Ende steht die Entdeckung: Er hat mit seinem Volk noch viel vor, er schenkt Wachstum und neue Gemeinschaft. Wir haben viel zu tun, aber wir haben auch viel Grund zur Freude, jetzt schon. Ich wünsche Ihnen und uns allen den Mut, missionarisch beweglich zu sein und zu werden, im Annehmen der Herausforderungen, aber auch in der Erwartung dessen, was Jesus Christus für uns bereitet hat.
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, Informations- und Pressestelle,
Archivstr. 3, 30169 Hannover |
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Grenzen überschreiten - Wie werden Gemeinschaften einladend? |
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Landessuperintendent
Dr. theol. Burghard Krause, Göttingen Wenn nicht alles täuscht, geschieht das Christwerden heute häufiger auf einem langsamen "Emmaus-Weg" als in punktuellen "Damaskus-Ereignissen". Menschen erfahren ihr Beheimatung in Christus als einen vielschichtigen Prozess des allmählichen Hineinwachsens in den Glauben. Dieser Prozess wird begleitet und sozial abgestützt durch das (zunächst oft provisorische) Mitleben in einer Gemeinde oder Gemeinschaft. Hier kann Glaube erprobt und bezweifelt, befragt, erlernt und angeeignet werden. Die traditionelle evangelistische Reihenfolge "1. Zum Glauben finden – 2. In die Gemeinde/Gemeinschaft finden" scheint sich umzukehren: die Beheimatung in der Gemeinschaft von Christen geht der Beheimatung im Glauben an Christus oft voraus. Darum brauchen wir einladende Gemeinschaften, die nicht vorschnell Grenzen ziehen zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Wir brauchen Gemeinschaften, die Suchende, Fragende, Unentschlossene und Zweifler wertschätzen, ohne sie gleich zu vereinnahmen. Gemeinschaften, die ihnen Heimatrecht in ihrer Mitte geben in der begründeten Hoffnung, dass sie so ihre Heimat in Christus entdecken. "Ehrung kommt vor Bekehrung" (Wolfgang Vorländer). Aber wie werden Gemeinschaften zu einladenden, "evangelisierenden" Gemeinschaften? Zunächst einmal geht es um einen Perspektiven-Wechsel. Die klassische evangelistische Perspektive blickt von innen nach außen. Die Rede von den "Fernstehenden" und "Distanzierten" verrät ihre binnenchristliche Sichtweise. Wir brauchen heute aber vor allem die Perspektive von außen nach innen. Die Frage heißt: Wer ist hier eigentlich distanziert? Für viele sind wir Christen "die Außenstehenden. Wir stehen außerhalb des Erfahrungsbereiches dieser Menschen. Was wir in der Kirche tun, liegt ihnen fern" Eberhard Winkler). Soziologen haben unterschiedliche gesellschaftliche "Milieus" diagnostiziert, zwischen denen regelrechte "Ekelschranken" bestehen. Die Schranken, die Menschen vom "christlich-kirchlichen Milieu" fernhalten, müssen wir abbauen - nicht die anderen. Christus ist bereits "draußen in der Welt präsent" (Winkler). Er steht längst an der Seite der Menschen. Darum gehören auch wir an ihre Seite, wenn wir ihn bezeugen wollen. Evangelisation heute geschieht vor allem als Konvivenz (in der Begegnung und im Zusammenleben; d. Hrsg.), in der eine Gemeinschaft mit Menschen geduldig und ehrlich den langen Emmaus-Weg mitgeht, mit ihnen zusammen das Evangelium neu entdeckt und sich dabei selbst verändert. Das bedeutet konkret: Eine evangelisierende Gemeinschaft ist
Wir brauchen ein überkonfessionelles Zweckbündnis aller missionarisch-evangelistischen Kräfte in Kirchen, Freikirchen, Werken, Verbänden und theologischen Ausbildungsstätten – eine Grenzüberschreitung, in der wir unsere unterschiedlichen Missionstheologien und Evangelisationsformen nicht als Grund zur Abschottung voneinander verstehen, sondern als Herausforderung zu einem wechselseitigen Voneinander-Lernen und zu gegenseitiger Ergänzung und Korrektur. Nur gemeinsam – und das heißt: nur in Bejahung unserer missionarisch-evangelistischen Pluralität - werden wir der evangelistischen Verantwortung heute gerecht. Die obigstehenden Gedanken von Pastor Dr. Burkhard Krause haben wir in der Zeitschrift "Brennpunkt Gemeinde" der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) entdeckt. Unter der Überschrift "Wie werden Gemeinden einladend?" bedenkt Burghard Krause die volkskirchliche Gemeindesituation und spricht daher durchgängig von "Gemeinde". Beim näheren Betrachten seiner Anregungen kam uns der Gedanke, die Herausforderungen auf Gemeinschaften zu beziehen. Der Verfasser hat sich damit einverstanden erklärt, dass wir das Wort "Gemeinde" durchgängig mit "Gemeinschaft" ersetzen. Durch diese Verfremdung des Textes entsteht für eine Landeskirchliche Gemeinschaft eine andere, eine neue Perspektive, die sich zu bedenken lohnt.
Wie wäre es, die
Leitgedanken von Dr. Krause gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu
studieren!? |
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Am Abend des ersten Kongresstages hielt der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Dr. Wolfgang Huber den Eröffnungsvortrag "Kirche im Aufbruch. Eine Zeitansage zum Kongressthema" in der gut gefüllten Thomaskirche. Erwartungsgemäß spielte das im Juli 2006 erschienene Reformpapier der EKD "Kirche der Freiheit" nicht nur hier eine zentrale Rolle. Das Diskussionspapier erntete viel Zustimmung, aber bot auch Anlass für eine kontrovers geführte Diskussion. Bischof Huber machte darüber hinaus auch klar, dass die Kirche sich im 21. Jahrhundert deutlicher als bisher den Konfessionslosen widmen müsse. Ein besonderes Augenmerk gehöre den Ausgetrenenen, also denen, die getauft sind, aber die Kirche verlassen haben. Er betonte, dass hier eine besondere kirchliche Verantwortung liege, die nicht vernachlässigt werden darf, da ja die Taufe mit dem Kirchenaustritt nicht ungültig würde. Den Vortrag und viele weitere Dokumente können Sie unter "Service/Dokumentation" herunterladen. Die auffällig hohen Besucherzahlen beim Forum 5 ("Wie wir wieder wachsen können" mit dem badischen Landesbischof Dr. Ulrich Fischer und dem anglikanischen Bischof Stephen Cottrell) und dem Workshop 7 ("Fröhlich kleiner werden und mutig wachsen" mit Bischof Axel Noack und Pfarrerin Birgit Winterhoff) zeigten, dass ´Wachsende Kirche` das zentrale Thema dieses Kongresses war. Die Rede vom Wachstum umschließt beides: die geistliche und die quantitative Dimension. Wachstum, so wurde u.a. auch aus den Bibelarbeiten deutlich, soll nur so verstanden werden, dass das innere Wachstum der Gemeinden dem äußeren vorausgehen muss. Quelle: AMD-Internetauftritt - http://www.a-m-d.de/theologenkongress/programm/ |
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A h r e n s b u r g – Papst Benedikt XVI. nimmt die reformatorischen Kirchen in Deutschland zu wenig wahr. Das hat der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evang.-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), beklagt. Weber begründet dies mit einem Interview, das der Papst vor seinem Bayern-Besuch deutschen Medienvertretern gegeben hatte. Darin sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche im Blick auf die evangelischen Kirchen: „In Deutschland haben wir, wenn ich recht weiß, drei größere Gemeinschaften: Lutheraner, Reformierte, Preußische Union.“ Die Äußerung des Papstes, die dritte große Säule der reformatorischen Kirchen sei die „Preußische Union“, nährt laut Weber die Vermutung, „wie wenig der vormalige deutsche Professor sich für die kirchliche Situation in seinem Heimatland interessiert hat und interessiert“. Dass die heutige Union Evangelischer Kirchen (UEK) nicht nur die historische Preußische Union umfasse, alle Landeskirchen in der EKD zusammengeschlossen seien und die VELKD ein langjähriger Dialogpartner der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sei, scheine dem Papst unbekannt zu sein. Diese mangelnde Wahrnehmung der reformatorischen Kirchen in Deutschland sei eine „ökumenische Hürde“, sagte der Catholica-Beauftragte in seinem Bericht vor der Generalsynode der VELKD. Weber sieht aber auch Defizite auf evangelischer Seite. Kirchen und Theologische Fakultäten müssten mehr darauf bedacht sein, „Rom“ zu vermitteln, was das Zentrum evangelischen Glaubens sei, „was uns heilig ist und wie in unseren Kirchen verbindliches Lehren zustande kommt“ ... Quelle: idea, Christliches Infoportal |